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Various Others bietet auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl sehenswerter Ausstellungen und Veranstaltungen, so dass es nicht immer leicht ist, den Überblick zu behalten. Der folgende kuratierte ArtWalk, der zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann, führt in weiten Kreisen um und durch die Maxvorstadt und das Kunstareal und bietet unterwegs reichlich Gelegenheit für schöne Pausen.
Wir beginnen unsere Tour im Zentrum von München, in der Ottostraße in der Nähe des Lenbachplatz. Hier präsentiert die Galerie LOHAUS SOMINSKY ihr innovatives Programm aus etablierten und aufstrebenden Künstler*innen aus aller Welt. Diesen Herbst werden unter dem Titel "Angles Morts" neue Werke des Künstlers Harm van den Dorpel in Kombination mit Werken von Vera Molnar gezeigt. Diese gilt als eine Pionierin der Computer- und Generativen Kunst. Harm van den Dorpel nutzt die Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Generativen Kunst für die Identifikation der eigenen Wurzeln und die eigene Verortung.
Wir bewegen uns in nördliche Richtung, passieren den Park des Maximiliansplatz, den Luitpoldblock und die Feldherrnhalle und erreichen schließlich die schönen Räume von Knust Kunz Gallery Editions in der Ludwigstraße. Hier erwartet uns eine Ausstellung von Olaf Nicolai. Der Umgang mit Sprache und Text spielt im umfangreichen Werk des Künstlers immer eine wichtige Rolle. In der Ausstellung „Un mondo che muore“ stehen die Blätter der gleichnamigen Edition im Zentrum. Für uns geht es weiter, wir folgen der Ludwigstraße nach Norden.
Gleich hinter der Kunstakademie biegen wir links in die Georgenstraße, in der sich die Galerie Klüser befindet, die seit 1978 international renommierte und aufstrebende Künstler*innen vertritt. Hier können wir uns auf eine Gruppenausstellung freuen, die Genregrenzen und Disziplinen hinterfragt und transzendiert. Unter dem Titel „Art and Literature“ werden Arbeiten gezeigt, die sich einer literarischen Vorlage bedienen, um diese jedoch nicht lediglich zu illustrieren, sondern auf bildlicher Ebene und entsprechend der eigenen Möglichkeiten zu expandieren. So entsteht ein fruchtbarer Dialog zwischen bildender Kunst und Literatur, in dem die Grenzen des sprachlichen Ausdrucksvermögens mit bildhaftem und räumlichen Ausdruck erweitert werden.
Nach einer kurzen Fahrt zur Schellingstraße betreten wir die beeindruckenden, hellen Räume der Galerie Walter Storms. Die Galerie präsentiert im Rahmen von Various Others 2024 den französischen Maler Jean-Marc Bustamante, der von 2010-2016 Professor für Malerei an der Münchner Kunstakademie war. Speziell für diese Ausstellung hat der Künstler, der in Genf lebt, eine neue Serie angefertigt: In den „Gemälde für München“ treffen fast transparente Zeichen auf rätselhafte graphische Formen und vegetative Elemente, die von der Natur und dem Leben erzählen.
Nur eine Ecke weiter, in der Türkenstraße, zeigt die Galerie Nagel Draxler neue Arbeiten der in Johannesburg lebende Multimedia-Künstlerin Teresa Kutala Firmino. Unter dem Titel „An Economy of Intimacy“ untersucht Kutala Firmino , die mit Malerei, Fotografie und Performance arbeitet ,die Ökonomien und Machtdynamiken unserer Beziehungen in einer partriarchalischen Gesellschaft und die daraus resultierenden Konsequenzen. Dabei nutzt sie die Ästhetik von Verhütungsplakaten aus den Jahren 1950-1960 und von kommerzialisierten Liebestränken.
Etwas weiter in Richtung der Pinakotheken und direkt gegenüber des Museums Brandhorst zeigt die Galerie Jo van de Loo in der Thereseienstraße unter dem Titel „Kleiner Fuß im Großen Schuh“ eine Reihe neuer Mixed-Media-Arbeiten von Georg Haberler. In seiner speziellen Bildsprache interagieren Tiere, Objekte und architektonische Elemente, die mit verschiedenfarbigen Fäden auf ungrundierter Leinwand gestickt sind. So entstehen spielerische, eigentümliche Welten, die einerseits zu kollabieren scheinen und dennoch im Gleichgewicht bleiben.
Unser Weg führt uns nun in westlicher Richtung zwischen den Pinakotheken hindurch in Richtung der Schleißheimer Straße. Dort finden wir Nebyula, einen Kulturraum, der sich dem lokalen und internationalen Austausch mit dem Ziel der kollektiven Ermächtigung widmet, betrieben vom Verein Rosa Stern Space. Diesen Herbst präsentiert Nebyula das Projekt "Resilience: Pleasure and Self-Care in a Precarious World" in Zusammenarbeit mit Eigen+Art Lab aus Berlin. Die Ausstellung vereint eine junge Generation südafrikanischer Künstler*innen, die gesellschaftliche Normen erforschen und hinterfagen. In einer parallelen Präsentation zeigt Jonas Höschl eine neue Videoarbeit mit dem Titel „Why Are You Crying?“ in einem speziell entwickelten mobilen Präsentationsraum.
Nur ein paar Meter weiter können wir uns schließlich im veganen Cafe „Eisbrunnen" belohnen, das jüngst von den Lesern des Feinschmeckermagazins Falstaff zu einer der besten Eisdielen Bayerns gewählt wurde.