+++
Das Various Others Programm bietet auch dieses Jahr wieder eine Vielzahl an großartigen Ausstellungen und Events, da fällt es nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Die folgende, von Quirin Brunnmeier kuratierte Tour soll nur eine der möglichen Kombinationen und Reihenfolgen sein, in der man sich in den Trouble stürzen kann. Am besten mit dem Rad kann man so einen guten Ausschnitt der Vielfältigkeit der Kunstlandschaft in München erkunden.
Wir beginnen unsere Tour in den imposanten Räumen von Sperling am Gebsattelberg in der Au. Dieses Jahr arbeitet die Galerie mit Lucas Hirsch aus Düsseldorf und VEDA aus Florenz zusammen. Gemeinsam zeigen sie künstlerische Positionen, die sich auf ihre jeweils spezielle Art mit dem Medium Papier auseinandersetzen. Monique Moutons Medium ist die Malerei, ihre zarten und expressiven Arbeiten bewegen sich aber immer an den Grenzen von Zeichnung und Skulptur. Auch die Bilder von Kinke Kooi haben eine expressive Qualität, Formen lösen sich auf, Zwischenräume verschwimmen und Gegensätze werden obsolet. Auch in der künstlerischen Praxis von Anna McCarthy werden Grenzen verwischt und Ebenen zu etwas neuem geschichtet. Die in München lebenden britischen Künstlerin vermengt in ihrem interdisziplinären Ansatz unterschiedliche Konzepte und Ästhetiken zu etwas eigenem.
Von der Franziskanerstraße über den Rosenheimer Platz führt der Weg direkt nach Haidhausen und zur Lothringer 13 Halle. Dort widmet sich eine von Christina Maria Ruederer kuratierte Ausstelljung dem Zuhören. Wem hören wir zu und was erzählen wir wem weiter? Die Ausstellung „On Listening“ bringt internationale Künstler:innen, Forschende, Aktivist:innen, Audio-, Archivmaterial und Theoretiker:innen zusammen um gemeinsam Dynamiken von gesprochenen und auditiven Narrativen sowie dem Zuhören zu erforschen. Was sagt uns das Erzählte über seine Zeit, seinen Ort und wie gehen wir damit in der Gegenwart um? Im gleichen Gebäude zeigt der Ausstellungsraum GiG Munich Arbeiten von Susanne Kühn, Malerin und Professorin an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und im Space von FLORIDA wird in Kooperation mit Salta art gibt die in Brasilien lebende Künstlerin Gabriela Mureb einen Einblick in ihre Arbeit.
Nach einer kurzen Stärkung auf dem Wiener Platz kreuzen wir die Isar und steuern ins Lehel in die Liebherrstraße 8 zu beacon. Dort ist eine Gruppenausstellung mit Arbeiten von Carolina Aguirre, Helin Alas, Krystel Cárdenas, Jeanne Gaigher, Jens Kothe und Berenice Olmedo zu sehen. Aus ihrer jeweils eigenen Perspektive setzen sich die Künstler:innen in den gezeigten Arbeiten mit der An- und Abwesenheit menschlicher Existenz auseinander. Spuren, Häute, Hüllen, Gegenstände und Assoziationen verweisen auf subtile Momente der Anwesenheit. Alle Arbeiten basieren auf eigene Mythen, haben eine individuelle symbolische Sprache und entwerfen eine neue Ästhetik von Potenzialen menschlicher Präsenz. Die Ausstellung ist auch bei Paulina Caspari in der Augustenstraße 33a, in der Maxvorstadt zu sehen.
Für uns geht es nun aber durch das Lehel in Richtung Innenstadt, in die Maximilianstraße. Dort geht es um Konzepte des Scheiterns, der Transformation und des ständigen Wechsels der Perspektive. Unter dem Titel „failed transcendence“ zeigt max goelitz in einer Gruppenausstellung die Gastkünstler Nicolás Lamas und Jeremy Shaw gemeinsam mit Haroon Mirza, Helga Dóróthea Fannon und Niko Abramidis &NE. Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Konzept der „failed transcendence“ des Schriftstellers Tom McCarthy, das sich auf den Begriff des Scheiterns und die Infragestellung traditioneller Vorstellungen von Authentizität konzentriert. Die Ausstellung vereint Technologie und Spiritualität und schafft so einen multidimensionalen Dialog. Mit Nicolás Lamas haben wir hier (LINK) über seine künstlerische Praxis und die Ausstellung gesprochen.
Unser Weg führt uns jetzt durch die Innenstadt, am Viktualienmarkt vorbei direkt ins Herz des Glockenbachviertels zum Kunstraum, der 2023 sein 50. Jubiläumsjahr feiert. Diesen Herbst bringt der Kunstraum zwei Künstler aus unterschiedlichen Generationen zusammen. Franz Erhard Walther gilt als Pionier der Konzeptkunst und der Minimal Art, der Spanier Santiago Sierra erlangte durch provokante Installationen und politischen Aktivismus internationale Bedeutung. Der Kunstraum hat in Kooperation mit der Performance-Reihe „En plein air“ Performances im öffentlichen Raum geplant. Santiago Sierra wird an verschiedenen Orten in München (Kunstraum, Terrasse am Haus der Kunst, Olympiapark, Isarauen) Geflüchtete aus Kriegsgebieten, die sich derzeit in München aufhalten, in einem besonderen Setting fotografieren lassen. Im Wechsel mit Sierras Aktionen finden an diesen Orten auch Aktivierungen ausgewählter Objekte von Franz Erhard Walther statt.
Wir ziehen weiter durch das Glockenbachviertel in die Baaderstraße zu Jahn und Jahn. Dort sind zwei Ausstellungen zu sehen: In der Hausnummer 56B taucht man unter dem Titel „In between flatlands“ in die postsymbolische Bildwelt von Jorge Queiroz ein. Seine Zeichnungen und Malerei sind nicht an lineare Erzählweisen gebunden, wirken sehr persönlich und intim. Es ist die erste Einzelausstellung des renommierten portugiesischen Künstlers in München. In der Hausnummer 56C kann man kontrastierte Stofflichkeit, bekannte Zeichen und Objekte, die seltsam vertraut wirken erwarten. Unter dem Titel FLIP präsentiert die Galerie Jahn und Jahn eine in Kooperation mit Polina Stroganova realisierte Gruppenausstellung mit Werken von Holly Hendry, Anne Neukamp und Andreas Schmitten. In einem Gespräch haben uns die Kuratorin und Tim Geissler von Jahn und Jahn einen Einblick in ihren Ansatz gegeben. Abschließend kann man sich nun im Baader Café direkt gegenüber der Galerie bei einem kalten Getränk erholen.