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Das Programm von Various Others bietet auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl toller Ausstellungen und Veranstaltungen, so dass es nicht immer leicht ist, den Überblick zu behalten. Der folgende, von Heike Steuben kuratierte ArtWalk ist nur eine der möglichen Kombinationen und Reihenfolgen, in denen Sie sich ins Getümmel stürzen können. Die Vielfalt der Kunstlandschaft in München lässt sich am besten mit dem Fahrrad erkunden.
Unsere Tour führt uns durch das Kunstareal, im Herzen Münchens. Mit seinen Museen und Hochschulen ist es einer der wichtigsten Kulturknotenpunkte Europas. Mitten in der pulsierenden Maxvorstadt trifft der Besucher auf eine einzigartige Mischung aus Kunst, Kultur und Wissen. Unsere erste Station ist die Galerie Klüser in der Georgenstraße, wo wir die Gemälde von Isca Greenfield-Sanders sehen können. Ihre weitläufigen Landschaften, der strahlend blaue Himmel und die mit Leichtigkeit agierenden Figuren wecken Gefühle von Freiheit, Unbeschwertheit und sogar Nostalgie nach einer anderen Zeit. Aber diese Erinnerungen sind nicht ihre eigenen. Die Künstlerin verwendet gefundenes Material, private Fotografien aus den 1950er und 1960er Jahren, die sie auf Flohmärkten und an anderen Orten findet. Aus diesen Bildern entstehen in einem vielschichtigen künstlerischen Prozess Aquarelle und Ölbilder. Eine scheinbar vertraute, persönliche Erinnerung taucht aus der Erinnerung eines unbekannten Individuums auf und fügt verschiedene Schichten der subjektiven Zeit hinzu.
Nach einer kurzen Fahrt zur Schellingstraße betreten wir die beeindruckenden, postindustriellen Räume der Galerie Walter Storms. In Zusammenarbeit mit der Miles McEnery Gallery, New York, präsentiert Walter Storms die Ausstellung "Parapylons" der Schweizer Künstlerin Pia Fries. Die Künstlerin kombiniert abstrakte Formen, organische Strukturen und leuchtende Farben zu dynamischen Landschaften. In der Serie "Parapylon" interpretiert sie die Abstraktion neu, indem sie Texturen und Pigmente zu reliefartigen Landschaften kombiniert. Ihre Arbeiten erzeugen durch die Verwendung von Ölfarben, Siebdrucken und geometrischen Strukturen eine faszinierende visuelle Dynamik. In den Serien "Parapylon" und "Pylon" erkundet Fries einen tiefgreifenden Dialog, der den vorherrschenden Mythos der Männlichkeit in Frage stellt. Bis zum Sommersemester 2023 war sie Professorin an der Akademie der Bildenden Künste München. Mit dieser Präsentation verabschiedet sie sich nun von München, ihrer Wahlheimat von fast 10 Jahren.
Wir verabschieden uns noch nicht ganz und fahren weiter zur Galerie Rüdiger Schöttle in der Amalienstraße. Die Galerie hat den in Berlin lebenden Künstler Maximilian Rödel zu einer Einzelausstellung eingeladen. Die charakteristischen farbig-abstrahierten Ölbilder des Malers scheinen eine überzeitliche und -räumliche Gültigkeit zu entfalten. In Rödels Arbeiten wird die Farbe selbst zum zentralen Bildgegenstand erhoben und transzendiert damit ihre ursprüngliche Funktion als gegenständliches Trägermedium. Grenzen scheinen sich aufzulösen, der Raum der Leinwand erweitert sich und wird immersiv. Die expressiven Bilder wecken Assoziationen, bleiben aber ungreifbar. Rödels Kompositionen zeichnen sich durch eine scheinbar mühelose Komplexität und Vielschichtigkeit aus. Maximilian Rödel ist vor allem für seine großformatigen Gemälde bekannt. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Walter Dahn und später an der Universität der Künste Berlin bei Thomas Zipp und als Meisterschüler bei Robert Lucander.
Unsere letzte Station auf dieser Tour ist das Museum Brandhorst, in dem mehrere Ausstellungen zu sehen sind. Kontraste und Affinitäten, historische Korrespondenzen und verbindende Themen kennzeichnen die Ausstellung "Von Andy Warhol bis Kara Walker. Szenen aus der Sammlung Brandhorst". Die Schau verbindet Klassiker der Museumssammlung im Dialog mit Neuerwerbungen der letzten Jahre.
Die Ausstellung "La vie en rose" ist inspiriert von den Rosenbildern Cy Twomblys. Twombly schuf die Serie "Untitled (Roses)" eigens für einen Raum des Museums, das 2009 eröffnet wurde. Dort sind die sechs Gemälde seither zu sehen. Ausgehend von Twomblys poetischen Themen wie Erinnerung und Sehnsucht, Tod und Trauer, Sinnlichkeit und Erotik, Lebensfreude und Erlösung, Freiheit und Einsamkeit vereint "La vie en rose" Werke verschiedener Künstler:innen.
Mit der "Flag Commission" präsentiert das Museum Brandhorst eigens in Auftrag gegebene Kunstwerke im Quartier der Maxvorstadt. Künstlerinnen und Künstler nutzen die Fahnen vor dem Museum , um Interventionen für den öffentlichen Raum zu schaffen. Ab September 2023 bespielt Philipp Gufler den Ort mit einer neuen Arbeit, in der er queere Geschichte rekontextualisiert.